Friday, October 21, 2005

PHR / Vertiefungsstudium Welt erleben & entdecken/Blog von Oliver Sutter


Thema: Feuerstelle, Backofen, Outdoor kochen


Erlebnisbericht


Während unserer Blockwoche des Vertiefungsfaches Welt erleben und entdecken (http://vswelterleben.blogspot.com/)verbrachten wir vom Dienstag den 18.10.05 bis Mittwoch den 19.10.05 zwei Tage im Wald. Unter der fachmännischen Leitung von Remo Gugolz (Waldspielgruppen und Kursleiter Weiterbildung von Lehrkräften) und unserem Dozenten Prof. Michael Obendrauf lernten wir, ein Feuer ohne Zündhölzer oder Feuerzeug zu machen. Ausserdem bauten wir zwei verschiede Backöfen und eine grosse Feuerstelle zum kochen.


Feuerstelle

Grundsätzlich gilt, schon vorhandene Feuerstellen zu nutzen. Diese können je nach Vorlieben noch vergrössert oder verkleinert werden. Meistens sind vorhandene Feuerstellen schon an gut ausgesuchten Stellen anzutreffen. Es ist wichtig, dass Bäume, Sträucher, Wurzeln und deren Blätter in einem sicheren Abstand zum Feuer sind. Mann/Frau sollte dabei beachten, dass der Abstand sowohl in der Breite wie auch in der Höhe genügend gross ist. Die Feuerstelle sollte mit grossen Steinen eingegrenzt sein, so dass sich trockenes Gras oder dürre Blätter nicht entzünden können. Es ist von Vorteil, wenn Mann/Frau das Feuer an einem Ort macht, wo es noch Gewässer in der Nähe hat. So kann Mann/Frau beim Verlassen der Feuerstelle richtig löschen.



Remo Gugolz,
Karin Sutter und
Martina Eberle beim erstellen unserer Kochfeuerstelle.
Im Hintergrund ist der Fluss Goldach zu sehen.


Altertümliches Anzünden eines Feuers mit Feuerstein

Remo Gugolz zeigte uns, wie Mann/Frau mit einfachen Mitteln ein Feuer anzünden könnte. Er nahm einen Feuerstein in die linke Hand, in die rechte ein Werkzeugstahl. Er schlug mit dem Werkzeugstahl schnell an einer Feuersteinkante. Durch die Reibung entstanden kleine Funken. Die Funken wurden mit verkohlter Jeans aufgefangen und es begann zu glühen.



Anstelle der verkohlten Jeans könnte man auch trockenes Gras, Flechten oder Zunderpilz verwenden. Den Zunderpilz findet man vor allem an Birken. Er wurde früher in Salpeter eingelegt und als Anzündhilfe verwendet. Gelegentlich wurde Zunderpilz auch in Urin ½ Jahre eingelegt und getrocknet, um dann noch besser zu brennen. Es wurde jedoch nur die schwarze Rinde des Pilzes eingelegt.


Auf dem Bild sind die Brennstoffe abgebildet.



Von links nach rechts:
-Werkzeugstahl und
Feuerstein
-verkohlte Jeans



















Mit grossem Staunen sahen wir, wie Remo mit der Glut aus der verkohlten Jeans, das trockene Gras entfachte. Es entstand eine kleine Flamme, mit der wir unser Feuer anzündeten. Wir legten zuerst Weichholz (z.B. Tannen- oder Lindenholz) in die Feuerstelle. Hartholz (z.B. Haselnuss- oder Eschenholz) wird erst wenn das Feuer schon ein Wenig brennt hineingelegt.




Kochen auf dem Feuer

Um bodenständige Gerichte auf dem Feuer zu kochen, braucht man das richtige Küchenmaterial. Es eigenen sich vor allem Stahltöpfe und Gamellen zum Kochen, weil diese die hohe Hitzeeinwirkung gut überstehen und die wärme schnell aufnehmen. Die Stahltöpfe kann man unten mit Lehm beschmieren, so dass sich der Russ, der beim Kochen mit Holz entsteht, sich unten nicht ansetzen kann.
Wir kochten vor allem Eintopfgerichte, weil diese sehr nahrhaft sind und weil man dafür wenig Kochgeschirr benötigt.
Ein Vorteil unserer Kochstelle war, dass die Goldach 5 Meter von der Feuerstelle entfernt war. Dort konnten wir unser Kochgeschirr abwaschen. Zum Abwaschen nahmen wir Blätter, Gräser und Sand. Der Sand wirkt wie Stahlwolle und eignet sich sehr zum Abwaschen von angebrannten Essensrückständen.
Um auf dem Feuer zu kochen, braucht man jedoch nicht immer Kochgeschirr. Wir backten beispielsweise Fladenbrot direkt auf der roten Glut oder auf erhitzten Steinen im Feuer.




Menüvorschläge

Während den zwei Tagen draussen wurde insgesamt ein Mittagessen, ein Nachtessen und ein Morgenessen zubereitet und auf dem Feuer gekocht.

Menü vom Dienstag Abend: Reiseintopf

Zubereitung
1. Pouletgeschnetzeltes mit Öl kurz anbraten
2. Diverses Gemüse in kleine Stücke schneiden ( und dann andünsten
Brocoli, Peperoni, Zwiebeln, Knoblauch, Kartoffeln, Ingwer, Zucetti)
3. Reis beigeben kurz andünsten
4. Wasser beigeben und den Eintopf 10 bis 20 Minuten auf dem Feuer kochen lassen
Würzen mit Salz, Pfeffer und Currypulver
5. Am Schluss abschmecken und nachwürzen








Passend zum Reiseintopf gab es noch Fladenbrote, welche direkt auf der roten Glut gebacken wurden.
Das Fladenbrot bestand aus Wasser, Mehl, Salz und Backpulver, welches zu einem Brotteig zusammengeknetet wurde. Es ist wichtig, dass man die Fladenbrote sehr flach und dünn drückt, dass sie schnell gebacken werden können. Auf die gebackenen Fladenbrote kann man noch Olivenöl, Salz und Pfeffer geben, bevor man sie isst.
Als Dessert gab es noch Apfeltaschen, diese wurden auf einer erhitzten Steinplatte im Feuer gebacken. Sie bestanden aus Teig, Äpfeln, Zucker und Zimt.



Menü vom Mittwochmorgen: Porige

Zutaten:
Haferflocken
Zucker
Zimt
Apfelschnitze
Wasser
Milch
-->alles zusammen aufkochen, bis ein Brei entsteht





Herr Obendrauf in Aktion beim Kaffee kochen. Er bereitete das gesamte Morgenessen alleine vor. Als wir aufstanden, war alles bereit (Kaffee, Tee und Porige).




Menü vom Mittwochmittag: Gemüseeintopf mit verschiedenen Broten

Zubereitung
Schinken, Gemüse andünsten
Tomatensauce beigeben
Mit Wasser ablöschen und einkochen lassen
Würzen
Abschmecken










Dazu gab es noch Fladenbrot, Vollkornbrot, Gemüsebrot, Porigebrot (aus dem restlichen Porige vom Morgenessen), Käse und Äpfel.


Backen mit dem Feuerofen

Wir hatten die Aufgabe, zwei verschiedene Backöfen zu bauen. Einer bestand nur aus natürlichen Materialien wie Steinen und Lehm. Der andere wurde mit einem Weissblecheimer, Steinen und Lehm gebaut. Nebst dem Material unterschieden sich die beiden Backöfen in ihrer Backtechnik. Beim erst genannten Ofen war es wichtig, dass der Ofen so gebaut wurde, dass hinten im Ofen eine Öffnung war, wo der Rauch und die heisse Luft über das Backgut gelangen konnten. Beim anderen Ofen wurde das Backgut durch die im Weissblechkessel entstandene Hitze gebacken.
Sandstein eignet sich sehr gut zum Bau von Öfen, weil er nicht wie andere Steine versplittert und weil er vielfach in grossen Steinplatten vorkommt.

Erster Ofen









Zweiter Ofen








Weiterführende Gedanken

Ich könnte mir vorstellen mit Mittelstufenschülerinnen und Schülern kleinere Öfen zu bauen. Ich denke vor allem der Ofen mit dem Weissblechkessel wäre dabei sehr geeignet. Mann/Frau muss dabei keine sehr schweren Steinplatten herumtragen, es wäre sogar einen Versuch wert, Weissblechbüchsen direkt auf die Glut zu legen und etwas Kleines darin zu backen.
Ich könnte mir auch gut vorstellen mit einigen Schülerinnen und Schülern ein Eintopfgericht auf dem Feuer zu kochen, jedoch muss man dafür viel Zeit einplanen. Als Lehrperson könnte Mann/Frau eine Art Werkstatt im Wald einrichten, bei welcher die Kinder sich für verschiedene Angebote im Voraus einschreiben und diese während eines Nachmittags ausüben. Vielleicht wären Eltern zu begeistern, aktiv an diesem Nachmittag mitzuhelfen. Am frühen Abend könnte Mann/Frau am Lagerfeuer sitzen und die zuvor vorbereitete Malzeit geniessen.
Ich könnte mir vorstellen, dass es für die Kinder und deren Eltern ein grossartiges Erlebnis draussen in der Natur wäre, weil ich denke, dass in der heutigen Zeit die Distanz zwischen Natur und Mensch immer grösser wird. Viele Leute getrauen sich nicht mehr Outdoor etwas zu unternehmen.


Lehrplanbezug M&U

Teilbereich Raum und Zeit:
Historische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen anhand von Veränderungen im Alltagsleben des Menschen aufzeigen
Mögliche Inhalte: Wohnen, Ernährung, Kleidung, Zusammenleben

Das kulturelle Leben mitgestalten und erleben
Mögliche Inhalte: Feste, Feiern, Brauchtum, Gemeinschaft leben

Landschaften und Lebensräume erkunden
Exkursionen


Natur und Technik:
Zusammenhänge in der Natur erkennen
Rohstoffe/Konsum, Kreisläufe, Abfall

Hauswirtschaft:
Mit Nahrungsmitteln verantwortungsbewusst umgehen

Individuum und Gemeinschaft:
Interesse am Erleben und Empfinden anderer zeigen
Freude, Erlebnisse, Alltag, Sitten, Bräuche

Miteinander reden und arbeiten
Gemeinsame Aktivitäten planen und durchführen

Religion:
Schöne Erlebnisse des Alltags bewusst wahrnehmen und sie als Geschenk Gottes deuten



Links
http://vswelterleben.blogspot.com/
http://www.feuervogel.ch/
http://www.waldschule-sg.ch/



Wert des Anlasses

Ich hatte zuvor schon in der Jungwacht und im Militär auf dem Feuer gekocht. Das Backen von Brot in einem selbstgemachten Backofen war für mich neu. Ich fand es sehr interessant unterschiedliche Brotbacktechniken und verschiedene Brotsorten zu erlernen. Was ich auch ganz speziell fand, war die sehr interessante Einführung zum Feuermachen von Remo Gugolz. Ich hatte nur immer davon gehört, dass man mit Feuersteinen Feuer machen kann aber es noch nie selber live erlebt.
Ein Höhepunkt dieser eher nebligen und kalten Outdoortage waren für mich jeweils die sehr schmackhaften Speisen, die sicherlich einen grossen Einfluss auf unser gutes Wohlbefinden hatten.
Ich fand es super, dass wir uns als kleine Gruppe, auf ein solch gemeinsames Projekt einliessen. Ich bin überzeugt, dass wir alle viel gelernt haben, weil wir “handeln“ konnten und nicht mit “trockener“ Theorie überhäuft wurden.
Ich denke viele von uns Studierenden könnten sich vorstellen, zukünftig ähnliche Erfahrungen auch an die Schülerinnen und Schüler weiterzugeben. Meiner Meinung nach behält man etwas länger, wenn man es selbst mit verschiedenen Sinnen wahrgenommen hat.